Aus der Geschichte des Feuerlöschwesens Gernsheim

Die ersten Spuren einer Organisation des Feuerlöschwesens in Gernsheim gehen zurück auf das Jahr 1678. Es findet sich nämlich in einem Bürgerbuch, das die Jahre 1616-1725 umfasst, ein Verzeichnis unter der Überschrift: Feüwer Reuther und Läufer von einem pp. Rath auf Aschermittwoch den 23. Februar anni 1678 aus der Bürgerschaft gezogen.
Ein weitere Instruktion scheint aus dem Jahre 1756 zu stammen. In der Rechnung der Stadt von 1759 finden wir die Vergütung des Feuervisitators Straub als ein Posten der Ausgabe. 1783 erscheint ein Krempf, 1795 und die folgenden Jahre ein Kissel als Feuervisitators. Die erwähnte renovierte Feuerordnung ist nebst den Zetteln noch vorhanden. Sie ist mit dem Namen der Stadt und Amtsschreibers Reuthers gezeichnet. Sie liegt zu Grunde einer in einem grün broschierten Heft enthalten "Gernsheimer Feuer-Ordnung". Dieses Heft ist offenbar im Januar 1819 hergestellt worden. Es besagt, dass diese Feuerordnung im Jahre 1756 errichtet, am 13 Mai 1797, am 13 Februar 1803, am 4 April 1810 und am 23 Jänner 1819 renoviert worden sei.

Wie aus der Instruktion des Feuervisitators hervorgeht, scheint das Jahr 1756 für das Gernsheimer Feuerlöschwesens eine solche Umgestaltung gebracht zu haben, dass man später von einer Errichtung einer Feuerordnung in diesem Jahre reden zu müssen glaubte. Am 21 März 1857 hat die Hessische Regierung eine Verordnung die Löschung der Feuersbrünste betreffend erlassen. Unter dem gleichen Datum folgten Erläuterungen dazu. Daran schloss sich eine Verfügung des Kreisamtes Bensheim dem damals Gernsheim unterstellt war vom 3 Nov. 1857. Sie hielt besondere Ausführungsbestimmungen für den Kreis Bensheim über die Heranziehung der zu besonderen Verrichtung verpflichteten Personen zu den Übungen und Proben, über die Hilfeleistung bei Bränden in Nachbargemeinden und über Belohnung , die bewilligt werden konnten.

Vom 27 Nov. 1860 stammt eine aus 31 Paragraphen bestehende von der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gernsheim erlassene Ordnung für die Gernsheimer Feuerwehr. Es wurde ein nach militärischen Grundsätzen organisiertes Corps mit dem Namen "Freiwillige Feuerwehr" geschaffen. Somit ist der 27. Nov 1860 an dem die Großherzogliche Bürgermeisterei Gernsheim die neue Ordnung erließ, als Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Gernsheim anzusehen.
Ihr Aufbau im Einzelnen:

  • 1 Oberbrandmeister
  • 1 Brandmeister der zugleich Adjutant war
  • 1 weiterer Brandmeister
  • 1 Arzt
  • 1 Wundarzt
  • 1 Zeugmeister
  • 3 Erste Spritzenmeister
  • 18 Spritzenmänner
  • 1 Erster Retter
  • 1 Zweiter Retter
  • 6 Retter
  • 1 Hornist
  • 1 Tambours

An Geräten standen zur Verfügung:

  • 2 Große Druckspritzen
  • 1 tragbare kleine Spritze
  • 1 Rettungsschlauch
  • 3 Hakenleitern
  • 1 Gesimsbock mit Leiter
  • 1 Italienische Leiter
  • 2 Rettungskörbe
  • 2 Dachleitern

Diese ganze Organisation ist angeregt worden durch Karl Weiser, der seit dem Jahre 1846 das Feuerlöschwesen der Stadt Mainz leitete. Der liebenswürdige und gleichzeitig energische Mann nahm sich der neuen Schöpfung tatkräftig an. Für seine patriarchalische Stellung zu Ihr zeugt der Umstand, dass er in einem Brief vom 12 Sept. 1861 an Jakob Kauth, den damaligen Befehlshaber (Kommandant) ankündigt, er werde bei seinem nächsten bevorstehenden Besuch der Gernsheimer Feuerwehr zum herzhaften Trinken einen Teil des Stoffes spenden. Das übrigens die Gernsheimer Organisation vorbildlich gewesen sein muss, geht aus einem Schreiben Weisers vom 19.Sept. 1862 an den gleichen Adressanten hervor, in dem er sagt, es sei bei Ihm mehrfach von auswärts wegen der Statuen angefragt worden. Was an Erfahrung zunächst fehlte, suchte man nachzuholen. Im Bergsträßer Anzeigenblatt vom 2. November 1861 ist nachzulesen, dass bei einer Inspektion der Bensheimer Löschmannschaft Mitglieder der Gernsheimer Wehr zugegen waren um sich die Übung anzusehen.
Im Jahre 1881 erfolgte auf Betreiben des Kreisfeuerwehrinspektors Karl Jußtus aus Darmstadt- Gernsheim war inzwischen dem Kreis Groß%minus;Gerau zugestellt worden - eine Neuordnung mit der Bezeichnung "Freiwillige Feuerwehr Gernsheim". Den Vorstand bildeten die Herren A. Reis, Ph. Medicus, M. Gerlach, A. Maus II, L. Weckerle, J Schnatz. Am 10 Februar 1882 erfolgte die Bestätigung durch den Bürgermeister Kaltenhäuser und dem Gemeinderat. Die Genehmigung des Kreisamtes Groß-Gerau folgte am 13 März des gleichen Jahres nach.